Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Habicht (Accipter gentilis) zum „Vogel des Jahres 2015“ gewählt.

Jeder Jahresvogel ist Botschafter für ein aktuelles Naturschutzproblem. Beim Habicht ist es die illegale Verfolgung von Greifvögeln in Deutschland. Abgeschossene, vergiftete oder gefangene Habichte sind nach wie vor trauriger Alltag, obwohl die Jagd auf ihn seit den 1970er Jahren verboten ist.

Aber es gibt immer noch einzelne Jäger, die ihn als Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen und Fasane sehen. Auch bei Geflügel- und Taubenzüchtern ist der Habicht besonders unbeliebt. Zwar holt er sich auch mal ein Haushuhn oder eine Reisetaube, Hauptnahrung sind aber die wild lebenden Ringel- oder Stadttauben sowie Krähen, von denen es ausreichend viele gibt.

NABU und LBV fordern, dass entsprechende Straftaten systematisch erfasst, aufgeklärt und angemessen geahndet werden. Dafür müssen speziell geschulte Einheiten und Koordinationsstellen bei der Polizei und den Naturschutzbehörden der Länder in allen Bundesländern eingerichtet werden. In der Größe ist der Jahresvogel mit einem Bussard vergleichbar. Im Flug ist er gut an seinem langen Schwanz zu erkennen.

Habicht

Die breiten und relativ kurzen, abgerundeten Flügel sind bei erwachsenen Tieren grau gefärbt. Die Unterseite ist hell mit schmalen, schwarzen Querstreifen gebändert oder „gesperbert“. Typisch sind der helle Überaugenstreif und die gelb bis orange gefärbte Iris. Bei älteren Habichten steigert sich die Farbe bis ins Rubinrote. Junge Habichte tragen ein graubraunes Gefieder. Ihre Unterseite ist nicht gesperbert, sondern zeigt ein Tropfenmuster. Wie bei den meisten Greifvögeln sind weibliche Tiere deutlich größer und schwerer.

Entgegen seinem Ruf als scheuer Bewohner ausgedehnter dichter Wälder ist der Habicht eigentlich ein anpassungsfähiger Opportunist. Inzwischen hat er nämlich entdeckt, dass es sich auch in Städten gut leben lässt. Das Nahrungsangebot ist das ganze Jahr über gesichert, gibt es hier doch eine große Zahl von Straßen- und Ringeltauben, Krähen oder Elstern. Vor allem aber droht ihm kaum Gefahr durch menschliche Verfolgung. Unser Jahresvogel hat sich in Berlin, Hamburg, Kiel, Köln und Dresden sowie in vielen anderen Städten niedergelassen.

Im Großraum Berlin gab es im Jahr 2014 etwa 100 Brutpaare auf einer Fläche von gut 892 Quadratkilometern. Das ist eine der höchsten Siedlungsdichten von Habichten weltweit.

Die Verfolgung des Habichts hatte dazu geführt, dass auch im Großraum Düsseldorf nur noch vereinzelte Paare brüteten. Nach seiner Unterschutzstellung haben sich die Bestände nur ganz allmählich erholt. Auch in Düsseldorf brütete der Habicht 2007 mitten im Stadtgebiet (Merowingerstraße). Hier wurden in der Nähe einer Großbaustelle drei Jungvögel aufgezogen. Zum Beutespektrum gehörte neben den Stadttauben auch ein großer Anteil an Ratten.

Es gibt derzeit schätzungsweise 9 -10 Brutpaare. Gelegentlich ist der Habicht auch im Stadtbereich entlang von Bahndämmen oder in Parkanlagen jagend zu beobachten.

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