Wenn man an etwas feuchtgelegenen Wegen mit Strauch- und Baumbewuchs entlang geht, findet man regelmäßig Sträucher und auch Bäume, die über und über von einer anderen Blühpflanze bewachsen sind. Es handelt sich hierbei oft um die „Gemeine Waldrebe“ (gemein bedeutet in der Biologie „gewöhnlich“) oder wissenschaftlich Clematis vitalba.
Zu dieser Jahreszeit sieht man sie manchmal mit allen Fruchtformen an einer Pflanze: Die grünlich-weißen Knospen neben halb und voll aufgeblühten Blüten (Abb. 1) und zu guter Letzt die Früchte (Abb. 1 und 2). Manchmal könnte man meinen, dass sich Blüten verschiedener Pflanzen in einem Blütenstand befinden. Aber nein, Clematis-vitalba-Blüten machen in ihrem Lebenszyklus nur einen interessanten Wandel durch.
Die Früchte sind im frühen Stadium rot-grün. Die haarigen Anhängsel entstehen nach der Befruchtung aus den sich verlängernden behaarten Griffeln (Abb. 2), die bei dieser Pflanze nicht abfallen.
Bei Regen verkleben die Haare und was vorher noch adrett sortiert aussah, wirkt nun wie zerzauste nasse Haare (Abb. 3).
Warum betreibt die Pflanze einen solchen Aufwand mit den Früchten? Nun, wenn sich die Samen im Frühjahr ablösen, wirken die haarigen Anhängsel wie Federn. Bei Trockenheit und starkem Wind werden sie fortgeweht. Feucht können sie dagegen wie Kletten wirken und bleiben gut an Tieren haften, die so für ihre Verbreitung sorgen. Oft bleiben sie auch einfach am Untergrund haften.
Was charakterisiert die Gemeine Waldrebe sonst noch?
Clematis gehören zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculacea), einer großen Pflanzenfamilie, die weltweit über 2.500 Arten hervorbringt. Anemonen, Busch-Windröschen, natürlich der Hahnenfuß gehören dazu, die im Winter blühende Nieswurz (Helleborus) oder der prächtige Rittersporn. Alle Hahnenfußgewächse sind giftig.
Auffallend in dieser Familie ist die hohe Anzahl an Staub- und Fruchtblättern in ihren Blüten. Sie sind zudem wahre Verwandlungskünstler. Da sie in der Regel keinen Kelch haben, wird dessen Schutzfunktion von verschiedenen anderen Blütenorganen durch deren Umwandlung übernommen. Wenn man alleine die große Farbvielfalt der Blüten betrachtet, ist dies eine unglaubliche Leistung.
Die Gemeine Waldrebe ist eine in ganz Europa häufige Pflanze – vielleicht, weil sie in jeder Hinsicht so flexibel ist?
Quellen:
Autorin: Brigitte Steinke